Event

Architektur & Design für ein langes Leben

28-04-26 - 28. April 2026
    Einlass: 18:00 I Talk: 18:30

Wie der demografische Wandel unser Wohnen neu definiert.

  • LAUFEN space Berlin
  • Event format:inperson

Wir werden älter – und gleichzeitig verändern sich unsere Städte, Wohnbedürfnisse und Haushaltsformen grundlegend. Der demografische Wandel ist längst keine abstrakte Zukunftsprognose mehr, sondern verändert konkret, wie wir wohnen, planen und gestalten. Wenn Menschen länger leben, länger selbstständig bleiben wollen und sich Lebensläufe und städtische Alltage ausdifferenzieren, stellt sich die Frage neu: Wie müssen unsere Wohnungen, Gebäude und Quartiere gestaltet sein? Was bedeutet das für Architektur, Produktdesign und insbesondere für jene Räume, die unseren Alltag prägen?

In diesem Dialog beleuchtet die Stadtanthropologin Dr. Carolin Genz zunächst die großen gesellschaftlichen Verschiebungen hinter diesen Entwicklungen: Wie verändern sich Lebensmodelle, Haushaltsstrukturen und Vorstellungen von Selbstständigkeit und Würde im Alter? Welche Rolle spielen veränderte Wohnungsmärkte, Nachbarschaften, soziale Infrastrukturen und alltägliche Wege in einer alternden Gesellschaft? Und welche kulturellen Bilder vom Altern prägen- oft unbemerkt – noch immer unsere Vorstellungen von Wohnen?

Darauf aufbauend zeigt der Designer Peter Wirz, wie sich diese Entwicklungen in konkretes Design übersetzen lassen. Wie kann Gestaltung auf eine alternde Gesellschaft reagieren, ohne in sichtbar „behindertengerechte“ Ästhetik zu verfallen? Welche Rolle spielen Materialität, Proportion, Ergonomie und intuitive Nutzung? Und wie entsteht eine neue Form von Komfort, die generationenübergreifend funktioniert?

Gemeinsam diskutieren sie zentrale Fragen für Planer:innen, Investor:innen, Bauherr:innen und Projektentwickler:innen:

  • Wie muss sich Planung verändern, wenn Langlebigkeit zur Norm wird?
  • Welche räumlichen Qualitäten sichern Selbstständigkeit im Alltag – unauffällig und selbstverständlich?
  • Wie entsteht ein demografisches Design, das nicht nach Anpassung aussieht, sondern nach Exzellenz?

 
Der Talk zeigt: Zukunftsfähiges Wohnen ist keine Nische, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Denn wenn sich die Gesellschaft verändert, verändern sich auch die Räume des Alltages – und damit die Maßstäbe für gute Architektur und Design. Es ist ein neues Qualitätsversprechen. Und gutes Design ist der Schlüssel, damit ein langes Leben auch ein gutes Leben bleibt.

 

Carolin Genz

ist Stadtforscherin mit interdisziplinärer Expertise in Geographie, Anthropologie und Urban Design. Ihre Forschung beschäftigt sich mit urbanen Transformationsprozessen und sozial-räumlichen Praktiken, insbesondere in den Bereichen Wohnen, Protest, Gender und Alter(n). Von 2012 bis 2022 war sie unter anderem an der Humboldt-Universität zu Berlin, der University of Toronto, dem Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung sowie im Sonderforschungsbereich „Re-Figuration von Räumen“ an der TU Berlin tätig. Von 2022 bis 2025 leitete sie als Seniorwissenschaftlerin das Forschungscluster „Wohnen in der Stadtentwicklung“ beim vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung. Derzeit ist sie assoziierte Postdoktorandin im DFG-Graduiertenkolleg „Gewohnter Wandel“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie Dozentin an der TU Wien.

Peter Wirz

ist Maschinenbauingenieur und Industriedesigner sowie Gründer und Creative Director der VETICA Group AG. Nach sechs Jahren als Head of Design bei BODUM arbeitet er seit über 30 Jahren als unabhängiger Unternehmer in der Designbranche und führte unter anderem 18 Jahre lang ein eigenes Designstudio in Taipei. Zu seinen Kunden zählen internationale Unternehmen wie ABB, Roche, 3M, Starbucks, WMF, Victorinox und Bauhaus. Peter Wirz ist Gewinner von über 80 internationalen Design- und Innovationspreisen, Swiss Design Ambassador von Pro Helvetia und war Leichtathletik-Europameister sowie Olympiafinalist über 1500 Meter bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles.